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Das Renaissance-Rathaus in Groß-Umstadt Eine Dokumentation zu Entstehung und Bewahrung des Bauwerks 1600 - 1991
Sommer, Johannes, 80 S., 200 Abb., dav. 99 farbig; 27x21 cm, Pappband
ISBN 3-7845-5800-3, ca. 7.90 EUR

Als eines der bedeutendsten deutschen Rathäuser der Renaissance gilt wegen seiner Säulenhalle und der reich gestalteten Fassaden das Rathaus zu Groß-Umstadt von 1600, das 1982-1991 unter Leitung des Autors grundlegend restauriert worden ist.
Als Grundlegung seiner Restaurierung hat der Autor die Geschichte des Rathauses umsichtig erforscht. Er hat nicht nur zahlreiche Befunde an dem 1982 wieder einmal einsturzgefährdeten Bau erhoben, sondern auch sämtliche Nachrichten über den Bau, den Vorgängerbau, die bauliche Umgebung, den entwerfenden Architekten, die Handwerker, die Finanzierung und auch die seit 1600 durchgeführten Arbeiten sowie deren Ursachen und Folgen erforscht.
Dieses Buch liest sich deshalb einerseits wie eine Bauschadensfibel. Sie wird alle faszinieren, die heute für Gebäude Verantwortung tragen. Die Probleme fangen beim Baugrund und der Fundamentierung an, reichen über die Lastaufnahmefähigkeit der Wände, Decken und Gewölbe bis zur Dachkonstruktion und den gegen Umweltverschmutzung empfindlichen Baumaterialien. Die Beschreibung der zahlreichen Reparaturmaßnahmen zwischen 1738 und 1970/72, die wegen unzureichender Untersuchung sämtlicher Schadensursachen nie für grundlegende Abhilfe sorgten, dürfte für manchen Bauherrn von Nutzen sein.
Andererseits liest sich das Buch aber auch wie der Polit-Krimi eines Gemeinwesens, wurde das Rathaus doch 1738 (!) zum Kristallisationspunkt einer der frühesten bekannten Bürgerinitiativen Deutschlands gegen den Landesherrn. Ähnlich setzten sich die Groß-Umstädter auch in späteren Jahrhunderten immer wieder gegen die Planungen der fernen Zentralgewalt erfolgreich zur Wehr. Sommer hat fast alle Unterzeichner der Petition von 1738 namhaft gemacht - darunter viele Familiennamen, die noch heute in Umstadt zu finden sind.
Und nicht zuletzt führen Text und Bildprogramm des Buches einen hochkarätigen kunsthistorischen Indizien-Nachweis, in welchem Johannes Sommer, Jahrgang 1911, Kunsthistoriker und Architekt DWB zugleich, den bisher nicht mit diesem Bau in Verbindung gebrachten, in seiner Zeit berühmten entwerfenden Architekten nachweisen sowie den Anteil der beteiligten Künstler besser bestimmen konnte. Viel Überzeugungsarbeit mußte der Autor schließlich noch wegen seines Restaurierungsplans investieren, insofern die Landesdenkmalpflege nicht glauben mochte, daß der Bau von 1600 die 14 kleinen Dachgauben aufwies, die der Autor nun wieder rekonstruiert hat.

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