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Zisterzienser-Abtei Doberan Kult und Kunst
Erdmann, Wolfgang, 95 S., 130 Abb., dav. 44 farbig, 25x17 cm, Paperback
ISBN 3-7845-0411-6, 7.50 EUR
vergriffen (Neuausgabe in Vorber., ca. 2020)

Wie kaum an einem anderen Ort läßt sich in Doberan exemplarisch der Wandel der Weltsicht und auch der Künste zwischen 1200 und 1900 in sich schlüssig belegen.
Erhebliche landesgeschichtliche Bedeutung hatte Doberan von 1172 bis 1920 als Grablege des mecklenburgischen Fürstenhauses. Das Anliegen des Totengedenkens für die Mitglieder des Fürstenhauses hatte stets die Geschichte der Abtei und ihre künstlerische Ausstattung mitbestimmt und schließlich dominiert.
Der Band geht von rund 60 heute noch sichtbaren Doberaner Kunstwerken und Geschichtszeugnissen aus. Sie alle werden in 134 Abbildungen vorgestellt und mit striktem Bild-Text-Bezug aus ihren ehemaligen Funktionen heraus erklärt. Zudem wird ihr jeweiliger Ort in Geschichte und Kunstgeschichte, z.T. erstmals, festgestellt.
Neben den wichtigen Beweisstücken nehmen die berühmten Glanzstücke einen bevorzugten Platz im Bildprogramm des Buches ein, zum Beispiel das gotische Bauwerk mit seinen Chor-Umgangskapellen und den Querhaus-Mittelpfeilern, die Beinhaus-Kapelle, der riesige Kreuzaltar mit Triumphkreuz, der Reliquien- bzw. Kelchschrank, Glasmalerei, Sakraments-Turm, Hochaltar, Astronomische Uhr, Memorialbilder und Grabmäler.
Der geschichtliche Bogen spannt sich vom "christozentrischen" Kult des hohen Mittelalters zum "hagiozentrischen" Kult bis zum Beginn der Reformation, von der abstrakten Erlösungs-Seelsorge an der "communis fidelii" zur heils-mechanistischen Selbstbedienung, von dogmatisierenden Bild-Belehrungen zur Bild-Demonstration persönlicher Heilserwartung und weiter bis in unser Jahrhundert. Die historischen Veränderungen seit dem 12. Jahrhundert (in Theologie- und Kirchengeschichte wie in der Mentalität - insbesondere in Sakramentslehre, Reliquien-Kult und deren Bodensatz als Magie, aber auch in Liturgie-, Geistes-, Ordens-, Kunst-, Wirtschafts- sowie Technik-Geschichte) werden von Wolfgang Erdmann als Gründe für Art, Ort und Zeitpunkt von Veränderungen am und im Bau aufgezeigt. Es dürfte zur Zeit keinen Kunsthistoriker geben, der so viele eigene und fremde Forschungsergebnisse innerhalb und außerhalb seines Fachs zur Abtei Doberan verarbeitet hat wie Erdmann.
Dem Leser wird hinter dem Kunst-Schönen auch dessen Bedeutung erschlossen

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